Gedanken zum Virus

Lasst uns bitte vernünftig sein. Ja, auch ich habe mir Anfang März noch Sorgen wegen übertriebener Hysterie um das neuartige Corona-Virus gemacht. In einer Diskussion mit einem Kollegen habe ich mich sogar dazu hinreißen lassen, dass ich das „Corona-Gedöns“ allenfalls als Fußnote im Jahresrückblick sehe. Eine grobe Fehleinschätzung meinerseits. Ich habe inzwischen verstanden und halte die von Fachleuten vorgeschlagenen Maßnahmen und Beschränkungen für richtig. Jetzt ist meine Befürchtung eher, dass viele von uns die Situation zu locker nehmen. Durch meinen Beruf habe ich das Privileg, mit vielen kompetenten Menschen sprechen zu dürfen. Sie warnen eindringlich: „Unterschätzt das nicht!“ Auch bei uns drohen immer noch überfüllte Intensivstationen. Ich fürchte nach China, Italien, Spanien und den USA droht demnächst Schweden der Klinik-Kollaps.

 

Noch stehen wir in Deutschland am Anfang der Pandemie, auch wenn vielen inzwischen zu Hause langweilig wird. Meine Eltern – beide glücklicherweise vernünftig und in den mittleren 70ern – können sich nicht an eine vergleichbare Ausnahmesituation erinnern. Dieses Virus ist eine riesige Herausforderung. Ja, im Nachgang auch wirtschaftlich, aber jetzt geht es für sehr viele Menschen ums Überleben. Was mir Hoffnung macht ist die Solidarität und die Bedeutungslosigkeit der Populisten. Wir sollten nach Corona über Reformen reden. Digitalisierung und flexible Arbeitsmodelle sind dann hoffentlich keine Worthülsen mehr. Wirtschaft und Verwaltung waren auch 2019 in der Maße nicht unbedingt zeitgemäß aufgestellt. Die niedrigen Zinsen haben vieles kaschiert. Die steigenden Ausgaben für Pensionen, die Situation der Rentenkasse und der - ja -  Fachkräftemangel wurden bestenfalls ausgeblendet. UnternehmerInnen, FreiberuflerInnen oder abhängig Beschäftigte, die jetzt unverschuldet in Not geraten, haben ohne Frage Unterstützung verdient. Abzocker, die in diesen Tagen Hilfsgelder abgreifen, werden hoffentlich nach der Corona-Zeit entlarvt – wir reden nämlich schlicht von Subventionsbetrug.

 

Was wir sicher nicht brauchen sind Alternative Medien – die selbsternannte Alternative war schon für Deutschland und in der Medizin keine Erfolgsgeschichte. Natürlich sind unterschiedliche Meinungen erlaubt, auch Diskussionen dürfen nicht tabu sein, aber zwischen gefühlten Fakten und Evidenz gibt es nun mal Unterschiede. Ja, unsere Freiheit wird gerade eingeschränkt. Für die Nach-Corona-Zeit vertraue ich auf unser Grundgesetz -  da bin ich Fanboy.   

 

 

„Wirtschaft ist zu 50 Prozent Psychologie“, dieses Zitat ist mir noch aus dem Wirtschaftstheorie - und Politikunterricht in guter Erinnerung. Der ehemalige Bundeskanzler und Wirtschaftsminister Ludwig Erhard lag damals richtig. Ein neues Wirtschaftswunder ist auch diesmal machbar.  An anderer Stelle #Homöopathie #Verschwörungsspinner habe ich es schon oft gefordert:  Lasst uns mehr über Vernunft, Fakten, Wissenschaft und Aufklärung reden -  dann haben wir gute Chancen auf eine lebenswerte Zukunft.  Und ganz wichtig: alberne Verschwörungsvideos von YouTube-Trotteln tragen nicht dazu bei. Bevor ihr etwas teilt – egal ob digital oder analog – macht bitte den Faktencheck. Ich bleibe optimistisch.