Aufklärung wirkt

2017 als Jahr der Aufklärung? Lasst es uns gemeinsam probieren. Die Diskussion um sogenannte Fake-News wird falsch geführt. Wir brauchen offene Diskussionen. Gern kontrovers, aber bitte sachlich und nicht emotional. In sozialen Netzwerken werden die lächerlichsten Verschwörungstheorien von Menschen geteilt, denen ich zuvor eine weitgehend reflektierte Haltung unterstellt hatte. Sie hetzen gegen Flüchtlinge (Habe nichts gegen sie, aber…), Amerikaner (Alle dumm!), TTIP (Untergang Europas/Deutschlands!), Medien (Lügenpresse!), Regierung (Volksverräter!!!!1elf!!) – die Liste ließe sich leicht weiterführen. TTIP ist leider ein Beispiel für „Bauch schlägt Kopf“. Na ja, die Diskussion um dieses Abkommen, bei dem viele Kritiker wenige Fakten kennen, hat sich mit Donald Trump möglicherweise erledigt, denn der künftige US-Präsident ist nicht nur ein TTIP-Kritiker, sondern auch ein eifriger Verbreiter lächerlicher Verschwörungsalbernheiten. Ja, die Amis. Das fiese Chlorhühnchen und – ganz wichtig - Coca-Cola und McDonald‘s bestechen selbstverständlich ALLE westlichen Regierungen. Ich würde gern sachlich über TTIP diskutieren, aber dazu hat kaum jemand Lust. Stattdessen kommt die „Böse-Ami-Keule“. Aus meiner Sicht gibt es gute Argumente für ein Transatlantisches Freihandelsabkommen, aber auch durchaus vernünftige dagegen. Wirtschaft– vor allem international – ist komplex. Abwägen wäre sinnvoll. Zurück zu den Fake-News. Brauchen wir Gesetze dagegen? Nein, denn es reicht – wie so oft – die bestehenden konsequent anzuwenden. Gegen Gerüchte, üble Nachrede oder Verleumdung hilft auch jetzt schon eine Anzeige oder – in leichteren Fällen – Aufklärung oder eine entsprechende Gegendarstellung. Um Vermutungen vorzubeugen: Bisher habe ich niemanden wegen irgendwelcher Fake-News angezeigt. Bei den meisten Gerüchten (am Stammtisch) oder Fake-News (im Internet) bleibt offen, ob sie komplett erfunden sind oder auf ein Ereignis zurückgehen, das mehr oder weniger phantasievoll neu interpretiert oder ideologisch ausgeschmückt wurde. Bei wieder anderen ist es deutlicher. Es werden Briefe oder Twitter-Postings gefälscht – Gruß an „Photoshop-Philipp“ – um unliebsame Politiker oder Funktionäre an den Pranger zu stellen. Manche schrecken nicht einmal vor einer  Falschanzeige zurück, die dann medial verwurstet wird, sich dann aber als halt- und substanzlos herausstellt. Leider ist das Zurückrudern dann nicht so spektakulär und reichweitenstark  wie der vorangegangene Aufschrei. Ein Beispiel: Eine Fraktion (mancher ahnt welche) im sächsischen Landtag erkundigte sich im September 2016 in einer kleinen Anfrage (Drucksache 6/6423) bei der Landesregierung nach einer Vergewaltigung durch einen Flüchtling im Maxim-Gorki-Park. In der Anfrage wird suggeriert, dass die Tat vertuscht werde. Die Antwort: In Sachsen sei ein „Maxim-Gorki-Park“ nicht bekannt. Nein, damit will ich Flüchtlinge nicht pauschal als lieb und nett einordnen. Für sie gelten dieselben Maßstäbe wie für jeden von uns. Vergewaltiger sind Verbrecher – egal wo sie geboren sind. Die AfD steht mit solchen Schwachsinns-Anfragen nicht allein. Die nicht minder populistische und auch nicht deutlich sympathischere Partei „Die Linke“ ist ebenfalls ganz groß darin verschwurbelte Thesen aufzustellen, die einem Faktencheck keine zwei Minuten standhalten. Auch Journalisten machen Fehler, aber die große Mehrheit bemüht sich Fakten einzuordnen und wiederzugeben. Die Medien brauchen vieles, aber sicher keine staatliche Kontrolle durch ein Fake- oder Wahrheitsministerium. Ich nehme fast jeden Morgen an zwei Redaktionskonferenzen teil. Es mag manche erstaunen, aber bisher hat sich da noch nie ein Vertreter der Bundes- oder US-Regierung mit „Tagesbefehlen“ zu Wort gemeldet. Das ist bei den Kollegen der öffentlich-rechtlichen Sender und Tageszeitungen übrigens genauso (habe ich aus verlässlicher Quelle). Um es noch mal zu verdeutlichen: Es gibt Fakten. Liegt ein Verbrechen vor? Dann sind Polizei und Justiz zuständig. Hat ein Arzneimittel eine Wirkung, die auf Evidenz basiert? Nein? Dann ist eine Diskussion überflüssig. Ist Angela Merkel eine gute Kanzlerin? Wer wäre ein guter Bürgermeisterin oder ein guter Bürgermeister für meine Heimatstadt? Diese Fragen lassen sich wiederum nicht nur an Fakten festmachen. Da geht es um die eigene politische Einstellung und die darf und muss diskutiert werden. Das ist doch das Schöne an unserer Demokratie. Ich darf eine Meinung haben, auch wenn sie nicht jedem gefällt. Fragt gern mal russische oder türkische Journalisten.

 

 

Bei radikalen Positionen neige ich nicht dazu Verbote zu fordern, denn Märtyrer helfen allenfalls den „Radikalinskis“ selbst. Sarah Wagenknecht oder Frauke Petry haben vor allem ein großes Problem: Fakten-Resistenz. Trotzdem sollten wir sie mit Fakten konfrontieren, denn sachliche Argumente entlarven alberne populistische Positionen. Das ist anstrengend, aber es lohnt sich. Wie es ohne Freiheit und Demokratie läuft ist hoffentlich noch nicht völlig vergessen. Die Zeitzeugen der einen Diktatur (bis ‘45) sterben weg, die der anderen Diktatur (bis ‘89) neigen teilweise zur Verklärung. Vergleiche verbieten sich, aber beide gehören zu den dunklen Kapiteln der Geschichte. Ich möchte nicht in einer Gesellschaft leben, die sich nur von Gefühlen oder Ängsten leiten lässt. Lasst uns mehr Freiheit und mehr Fakten wagen, dann klappt es auch mit der Demokratie.

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Kommentare: 8
  • #1

    Gerrit (Samstag, 07 Januar 2017 23:10)

    Genauso ist es.. Gefühlt neigen immer mehr Menschen dazu, sich auf Gerüchte und Verschwörungstheorien zu stützen als auf Fakten. Das gibt es nicht nur in der öffentlichen Diskussion und in den (a)sozialen Netzwerken. Zu mir kommen gelegentlich Mandanten, die davon ausgehen, dass alle bei den Behörden und Gerichte bestochen werden, wenn ihre Anliegen dort nicht in ihrem Sinne entschieden werden. "Das weiss man ja, ....".
    Und tatsächlich brauchen wir in Deutschland keine neue Zensur-Behörde oder Zensur-Gesetze. Das ist alles längst geregelt.

  • #2

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