Böse Sätze gegen gute Vorsätze

Noch keinen einzigen Vorsatz habe ich gebrochen. Das liegt natürlich vor allem daran, dass ich schon seit Jahren nur den Vorsatz habe, keine Vorsätze im neuen Jahr zu haben. Meine Mitmenschen sind leider nicht so rücksichtsvoll. Wie Schlussverkaufsvieh überrennen einige derzeit die Fitnessstudios. Ich habe wahrscheinlich trügerische schwarz-weiße Tagesschaubilder im Kopf, auf denen Menschen in 50er-Jahre-Klamotten inzwischen untergegangene Kaufhäuser wie Hertie rücksichtslos stürmen. In meinem Fitnessstudio, das ich wie schon an anderer Stelle erwähnt, seit fast 11 Jahren mit meiner zu oft passiven Mitgliedschaft subventioniere, ist in diesen ersten Januartagen die Hölle los. Ohne Sportmotivation, aber mit einer gewissen Saunasehnsucht ausgestattet, machte ich mich mal wieder auf den Weg. An der Rezeption stapelten sich die Anträge und die dazugehörigen Antragssteller für eine preisgünstige oder gar „für laue“ Schnuppermitgliedschaft. Der auf meine Kosten ohnehin gut lebende Fitnessstudiobesitzer macht sich offenbar das durch die Festtagssünden entstandene schlechte Gewissen der Meute zu Nutze. Im Januar sind die nach eigener Einschätzung zu Fetten offenbar eine ebensolche Beute. Die Rabatte dürften m.E. aber nicht die neuen – und meist auch nur temporären – Mitglieder einheimsen, sondern die treuen Kunden sollten profitieren. „Stellt Mitglieder, die länger als 2 Jahre bei euch sind, für den Januar beitragsfrei, denn nur das wäre ein adäquater Ausgleich für die überfüllte Muckibude“, raune ich in Richtung Verband Deutscher Sportstudios. Heißt der so? Wenn es den VDS tatsächlich geben sollte – das ist meine zentrale Forderung! Leider tummeln sich die Neuen nicht nur auf der Sportfläche. Das allein wäre auch kein Problem, denn erfahrene Mitglieder meiden diese im Januar ohnehin. Nein, die vorsatzgeplagten Sparfüchse bevölkern nach dem tüchtigen Treiben auch noch den von mir geschätzten soften Bereich. Sie gehen gern ungeduscht in den Whirlpool, legen ihre Handtücher in Malle-Manier auf die Liegen und sie lümmeln sich ohne Handtuch, aber mit angezogener Badehose, laut quatschend in der Sauna. Glücklicherweise sind 90 Prozent dieser kulturlosen Bande spätestens im Februar wieder verschwunden, aber schön ist das nicht. In der Hölle schmoren sollen sie deshalb natürlich nicht, aber gutes Benehmen darf keine Glückssache sein. Schmoren soll allenfalls mal wieder ein Hackbraten, denn in Ermangelung eigener „guter“ Vorsätze darf der weiter gegessen werden. Zur Hölle fahren soll meinetwegen die olle Holle, aber das ist ein anderes Thema. Es droht nämlich Schnee, denn laut Räumplan (von mir erstellt) darf ich ab Montag schippen. Auch eine Art fit zu bleiben…

leicht überarbeiter brackow-Text aus dem Jahr 2011 (manches bleibt) :-)