Platter plappernder Populismus

Heute Morgen hat mich der Leierkastenmann geweckt. Anschließend musste ich über eine olle Leier zuerst schmunzeln, aber dann wurde mir doch leicht übel. Der Vorsitzende der Jungen Union, Paul Ziemiak, fordert offenbar ernsthaft eine Sonderabgabe für Kinderlose. Meine erste Überlegung: Ist es sinnvoll für diesen Quatsch Zeit und Gedanken bereitzustellen? Unsere Demokratie kann und muss blödsinnige Vorschläge verkraften, aber ein paar Fragen habe ich dann doch: Würde die Abgabe nur für freiwillig Kinderlose gelten? Anders wäre es sehr unfair und wahrscheinlich auch rechtlich bedenklich. Wie soll das überprüft werden?  

Gibt‘s im Gegenzug eine Erstattung wegen der Nicht-Nutzung von Kitas und Schulen? Wie wäre es zusätzlich mit einem Orden für Mehrfachmütter? Und die wichtigste Frage: Sind bei der Entstehung des Vorschlags illegale Substanzen im Spiel gewesen?

 

Ernsthaft: Kindergeld, bezahlte Elternzeit und ähnliche Transferleistungen sind sinnvoll, aber die Entscheidung für oder gegen Kinder sollte nicht nur über den Geldbeutel geregelt werden. Besser wäre es, Familien und vor allem Alleinerziehende durch noch bessere Betreuungsangebote, gut ausgestattete Schulen und vernünftige (mit Kindern tatsächlich zu vereinbarende) Arbeitsplatzmodelle zu unterstützen.

 

Grundsätzlich ist politisches Engagement in einer demokratischen Organisation schön, gut und unbedingt gutzuheißen. Hilfreich wäre allerdings eine Sonderabgabe für dumme und populistische Vorschläge. Auch für Parteien gilt offenbar, seinen Nachwuchs kann man sich nicht aussuchen.

 

http://m.faz.net/aktuell/politik/inland/cdu-nachwuchs-junge-union-schlaegt-sonderabgabe-fuer-kinderlose-vor-13657891.html