Dino - Geist oder Gespenst? 

Vorweg: Ich drücke dem HSV in der Relegation die Daumen, denn der Verein gehört in die Bundesliga. Als ich im August 2012 – so wie es meine Art ist – leise und sparsam dosiert Kritik an der „Van-der-Vaart-Rückholaktion“ äußerte musste ich reichlich Schelte einstecken. Aber am Ende lag ich nicht so falsch. Warum drücke ich als Bayernfan trotzdem dem HSV die Daumen? Es sind vor allem persönliche Gründe, denn meine Kindheit und Jugend war von dem Duell „HSV gegen Bayern“ geprägt. Auch und besonders zwischen mir und meinem Bruder, den ich - trotz seines fußballerischen Irrwegs - liebe und schätze. Mein schlimmstes Kindheitserlebnis (daran lässt sich die sehr weitgehende Unbeschwertheit unserer Jugend ablesen) hatte ich am 24. April 1982. Der FC Bayern verlor im Olympiastadion mit 3-4 gegen den HSV. Hotte Hruebesch traf kurz vor Schluss. Es war schlimm. Mein 8jähriger Bruder feierte, ich war unendlich traurig. Eine kleine Entschädigung brachte wenig später der DFB-Pokalsieg gegen den 1. FC Nürnberg. Fast beängstigend, dass ich mich daran noch so genau erinnere. Ein Jahr später holte der HSV auch noch die „Champions League“, die damals – wenig Glamour versprühend -  „Europokal der Landesmeister“ hieß. Der FC Bayern dümpelte herum. Um den damals klammen FC Bayern zu retten, wurde Kalle Rummenige nach Italien verkauft. Der Stern des Südens war dunkel, der HSV die Nummer eins. Happel und Netzer trampelten auf meiner Seele herum. Gut, vielleicht ist das jetzt ein wenig zu dramatisch formuliert. Gehasst habe ich den HSV nie. Im Fußball halte ich Hass oder Gewalt ohnehin für sehr deplatziert. Im Grunde sind Hass und Gewalt fast immer deplatziert, aber ich schweife ab. In den 80ern waren fußballbegeisterte Nordfriesen HSV- oder FC Bayern-Fans. Ganz vereinzelt gab es „Gladbacher“, „Stuttgarter“ oder „Kölner“, aber „Dortmunder“ kenne ich erst seit Mitte der 90er. Der HSV im nächsten Jahr in der 2. Liga? Zusammen mit Heidenheim und Sandhausen? Das übersteigt meine Vorstellungkraft. Vor 14 Jahren hat der Fußballgott den Schalkern im Volksparkstadion einen fiesen Streich gespielt. Der FC Bayern schoss damals durch einen Freistoß im Strafraum ein Tor in der letzten Sekunde. Seit dem firmieren die Gelsenkirchener als „Meister der Herzen“. Rache haben die Knappen am vergangen Samstag nicht genommen. Stattdessen sorgten sie mit einem blutleeren Auftritt und der Unterstützung eines launischen Fußballgotts für die vorläufige HSV-Rettung. Sollte der  HSV der Bundesliga-Verbannung erneut entgehen, dann wird vermutlich diesmal der „Geist von Malente“ bemüht, der das „Abstiegsgespenst“ am Ende verjagt hat. Meinetwegen. Verdient wäre die Rettung nicht! Aber dafür interessiert sich der Fußballgott nicht. Fragt mal die Niederländer. Und damit wären wir wieder bei van der Vaart, der nach der Sperre gegen den „Meister der Herzen“ nun „Relegations-Rehabilitation“ betreiben kann. Ich lege mich fest: Geist schlägt Gespenst. Eine hübsche Idee auch für das echte Leben.