„Globulisierungsgegner“

Warum tust du dir das an? Diese Frage wird mir häufig gestellt. Gemeint ist mein privates Engagement gegen Aberglauben, Pseudowissenschaften und andere esoterische Torheiten. Dazu gehört auch die Homöopathie. Ein Arzt sagte mir vor einiger Zeit, dass es ihm egal sei, „wenn einige  Dummköpfe für diesen Quatsch Geld ausgeben.“ Diese Einstellung teile ich nicht, denn Impfgegner, Homöopathie-Anhänger und andere esoterisch-geleitete „Weltverbesserer“ verbreiten ihre – für mich nicht nachvollziehbaren – Ideologien  unreflektiert (auch) im Internet. Oft eingebettet in wilde und düstere Verschwörungstheorien. Die Bösen sind die Pharma-Mafia, profitgieriege Schulmediziner, die Politiker, die Medien oder auch pauschal die Amerikaner. Auf die „Reichsbürger“ möchte ich an dieser Stelle gar nicht eingehen, denn deren „Erkenntnisse“ sind schlicht, einfach, dumm und albern. Stimmen der Vernunft im Chor der nach eigenen Angaben Wissenden gehen im Alltag oft unter. Glücklicherweise gibt es Wissenschaftler, Ärzte, Journalisten und andere um Besonnenheit bemühte, die gegen die Auswüchse der gefühls-motivierten Pseudo-Wissenschaft ihre Stimme erheben. Als freiwillig Kinderloser kann ich mich zum Thema „Impfen“ relativ emotionslos und unbefangen informieren. Für verunsicherte Eltern habe ich Verständnis, aber auch die können sich informieren. Aufklärung kann Leben retten. Natürlich sind  Nebenwirkungen möglich (so ist es in der echten Medizin) aber diese stehen in keinem Verhältnis zu möglichen Folgeschäden einer Masernerkrankung. Impfungen sind ein Segen!  Die furchtbaren Pocken, ich selber habe noch eine kleine Impfnarbe, konnten praktisch ausgerottet werden. Ähnliches galt für Kinderlähmung/Polio, die wieder im Kommen ist.

 

Die Masern sollten bis 2015 verschwunden sein, aber wegen irrlichtender Esoteriker wird dieses Ziel verfehlt. Leider trifft die gesellschaftlich akzeptierte Pseudo-Medizin Homöopathie eine Mitschuld. Es ist schwierig mit Anhängern dieser Unheilslehre zu diskutieren. Diese Erkenntnis verstärkt sich nach dem X-ten „Wer heilt, hat Recht“. Natürlich darf jeder glauben, was er möchte. Solange niemand geschädigt wird. Aber genau dort liegt das nicht geimpfte Kind im Brunnen. Die vermeintlich sanfte/alternative Medizin kommt mit Behauptungen - die keiner wissenschaftlichen Überprüfung standhalten - um fast jede Ecke. Impfungen werden von Homöopathie-Anhängern oft (nicht immer)  abgelehnt. Der 1755 geborene Samuel Hahnemann, dem Mann „verdanken“ wird die Homöopathie, stand der Pockenimpfung zunächst angeblich gar nicht besonders kritisch gegenüber, aber inzwischen bieten homöopathische „Heiler“ Impfwirkstoff-Ausleitungen an. Zwar gibt es Homöopathie-Anhänger, die Impfungen als sinnvoll akzeptieren, aber die Mehrheit sucht lieber nach (lebensgefährlichen) Alternativen. Besonders verstörend sind sogenannte homöopathische Impfungen. Hier wird für mich die Grenze zur Kriminalität überschritten. Homöopathie wird zudem – das habe ich schon mehrfach geschrieben und gesagt – fälschlicherweise oft mit Pflanzenheilkunde in einen Topf geworfen. Pflanzen- bzw. Natureilkunde auf der einen Seite  und Homöopathie auf der anderen sind zwei völlig verschiedene Gebiete. Seriöse Ärzte und Heilpraktiker werden das gern bestätigen. Vernünftige Diskussionen sind kaum möglich, denn wer sich näher mit Hahnemanns kruder Lehre beschäftigt, dem gehen schnell die ernstzunehmenden Argumente pro Homöopathie aus. Es werden über 200 Jahre Forschung in der evidenzbasierten Medizin (Homöopathen benutzen meist den Begriff „Schulmedizin“) ignoriert. Angeblich hilft der faule Zauber sogar bei Hunden, Katzen, Meerschweinchen, Pferden und Babys. Klar,  die  können sich nicht wehren und der Placebo-Effekt wird auch von Wissenschaftlern nicht in Frage gestellt. Homöopathie-Anhänger behaupten aber es gebe eine darüber hinausgehende Wirkung. Gern wird dann die Quantenphysik bemüht. Leider ergibt es wenig Sinn den Versuch zu starten, einem überzeugten Homöopathie-Anhänger den Unsinn auszureden. Physik und evidenzbasierte Forschung werden zwar von H-Anhängern meist konsequent ignoriert oder ausgeblendet, aber – wenn es gerade in den eigenen Tüdelkram passt – als angeblicher Beweis für die Wirksamkeit der Homöopathie bemüht. Pseudo- und Parawissenschaftler berufen sich häufig auf den Quantenphysiker Anton Zeilinger. Die Süddeutsche Zeitung hat den  Österreicher deshalb nach seiner Meinung in Sachen Homöopathie gefragt. Zitat:  „Dass ein Bezug zwischen meiner Arbeit und der Homöopathie hergestellt wird, ist wissenschaftlich unbegründet. Ich bedaure es sehr, dass mein Name damit in Verbindung gebracht wird (…) Dafür, dass ein Wirkstoff Informationen in einer Lösung hinterlässt, in der er selbst nicht mehr enthalten ist, gibt es keinerlei wissenschaftliche Beweise.” Auch für die selbsternannte  „Quantenmedizin“ hat Zeilinger eher wenig übrig:  „Das ist ein schwammiger, spekulativer Begriff, nicht die Bezeichnung eines wissenschaftlichen Gebietes.”

 

Homöopathische Mittelchen werden mit angeblich potenzierten (verdünnten) Wirkstoffen angeboten. Zum Beispiel Rattenblut (Rattus norvegicus) oder Hundekot (Excrementum canium). Keine Angst, die Ekel-Moleküle sind in dem Mittel nicht mehr nachweisbar. Wenn dann höchstens in der D 4 Potenzierung (1 Tropfen Wirkstoff auf einen halben Liter Wasser). Da werden dann aber eher unbedenkliche Kräuter verdünnt. Anders sieht es bei D 24 (ein Tropfen auf das Volumen des Atlantiks) und D60 (entspricht 1 Tropfen verteilt auf mehrere Galaxien) aus.  Der leider gerade verstorbene Mr. Spock würde die Augenbrauen hochziehen. Fragen Sie mal ihren Arzt oder Apotheker nach D- oder C-Verdünnungen. Auf dieser Basis werden  leider Impfberatungen angeboten. Für mich ist das schlichter Trickbetrug. Mein Fazit in Sachen Homöopathie ist hart. Deswegen wurde ich schon oft der Intoleranz bezichtigt. Dabei respektiere ich Menschen, die an übersinnliche Kräfte glauben. Ich bin ein Skeptiker, der trotzdem hofft, dass es so etwas wie gute und positive Energie gibt. Ich denke auch, dass der Wille und eine optimistische Lebenseinstellung grundsätzlich hilfreich sind. Hat Homöopathie vielleicht doch einen Nutzen? Der Wissenschaftsjournalist und Molekularbiomediziner Kai Kupferschmidt schrieb im Tagesspiegel (den ganzen Artikel habe ich unten verlinkt): „…Natürlich hat die Homöopathie ihre guten Seiten. Sie setzt dem Bild von der Maschine Mensch, die nur „funktionieren“ soll, etwas entgegen, das den meisten Menschen sympathischer ist: den Menschen als Wesen, mit Ängsten, Wünschen, Träumen. Homöopathen sprechen von Ganzheitlichkeit, aber im Kern geht es darum, sich als Mensch beim Arzt ernst genommen, verstanden und, ja, geborgen zu fühlen…“ Wie geschrieben – einen Link zum ganzen Artikel gibt’s unten.

Widerlich wird es dann, wenn z. B. verzweifelte Krebspatienten mit unerfüllbaren Hoffnungen hinter die alternative Fichte geführt werden. Begleitend ist die Homöopathie bei einer schweren Krankheit genauso unproblematisch wie ein Gebet. Warum nicht? Außer Zucker enthalten Globuli normalerweise keine nachweisbaren Wirkstoffe. Kann also keinen großen Schaden anrichten. Einschränkungen gelten hier allenfalls für Diabetiker. Wer seinen Kindern unbedingt Globuli gegen eingebildete Wehwehchen verabreichen möchte, sollte es vor dem Zähneputzen erledigen. Die einzige zweifelsfrei nachgewiesene Wirkung der Kügelchen  ist nämlich Karies. Das gilt übrigens auch für die zuckerfreie Version, denn hier wird Zucker gegen Stärke oder Milchzucker (Lactose) ausgetauscht – und auch hier wird Karies gefördert. Also: nach der Eso-Fütterung unbedingt Zähne putzen. Es werden auch Tropfen angeboten, die enthalten statt Zucker allerdings Alkohol. In der Kinderheilkunde haben sich angeblich die Globuli bewährt. Klar, denn die Lütten lieben Zucker. Amüsant ist es immer dann, wenn Rasmus-Amadeus (Name willkürlich gewählt) nicht naschen darf, aber jeden Abend mit Globuli gefüttert wird.  

Zurück zur Eingangsfrage: Warum tue ich mir das an? Weil ich denke, dass viele Homöopathie-Befürworter einem Herdenreflex folgen. Nicht zu verwechseln mit dem  „Herdenschutz“ bei sinnvollen Impfungen. Motto: „Das ist doch sanft, das schadet nicht.“  Wenn für homöopathische Mittelchen ähnliche Zulassungskriterien gelten würden wie für echte Medikamente, dann wäre das Leben der Skeptiker einfacher. Dann müsste nämlich eine Wirkung nachgewiesen werden, aber so ist es leider nicht. Es ist keine Zulassung erforderlich. Immerhin: Wo keine Wirkung ist, gibt’s auch keine Nebenwirkung. Traurig und gefährlich wird es dann, wenn eine wirksame Therapie für „Geschwurbel“ geopfert wird.

Meine Hoffnung ist, dass sich noch  mehr Menschen mit der Homöopathie auseinandersetzen. Dann - da bin ich mir sicher – verschwindet der öde Hokuspokus aus den Arztpraxen. Mehr muss gar nicht sein. 

Glaube ist Privatsache. Wird er aber als Wissenschaft verkauft oder getarnt, dann ist es nur schwer erträglich. Im Fall der Impfgegner sogar lebensgefährlich.      

 

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Lesenswerter Text aus dem Tagesspiegel /Juli 2010: Autor ist Kai Kupferschmidt (Molekularbiomediziner und Wissenschaftsjournalist)

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Kommentare: 2
  • #1

    Petersen (Dienstag, 26 April 2016 15:52)

    Die Frage ist nicht "Warum tust du DIR das an", sondern "Warum tust du UNS das an?"

  • #2

    Rackow (Dienstag, 26 April 2016 16:31)

    Hallo Herr Petersen, herzlichen Dank für Ihren Kommentar. Zur Beruhigung empfehle ich Bachblüten D 14 oder ARNEka C8 Herzlichst, Ihr Korrektiv und sittlicher Kompass AR