Unser 100. Geburtstag am 13. Oktober 1993

146. Geburtstag

Wieder ist ein Lebensjahr abgehakt. Vor 12 Monaten erinnerte ich an dieser Stelle an meinem Opa Wolfgang Schlott, diesmal möchte ich ihm - er wurde heute vor 100 Jahren geboren - spontan einen Brief schreiben. Gerade gucke ich nämlich von unserer Ferienwohnung in Bremerhaven auf die Weser. Ein paar Kilometer flussaufwärts hat Opa Bremen bis zum Jahr 2000 gelebt.

 

 

Lieber Opa, 

 

heute ist/wäre dein 100. Geburtstag. Auch wenn du „schon“ kurz nach deinem 84. gegangen bist - du begleitest mich bis heute. 1976 feierten wir unseren addiert 66. und 1999 unseren 100. gemeinsamen Geburtstag. Heute wäre es der 146. Ja, du als Mathematiklehrer (zum Glück nie meiner) mochtest Zahlenspiele. In acht Jahren bringst du es übrigens nur noch auf die doppelte Zahl an Jahren (108 zu 54). Zum Vergleich: heute vor 40 Jahren war das Verhältnis noch 1 zu 10. Ich erinnere mich noch sehr gut, du hast deinen 60. an meinem 6. Geburtstag in Horsbüll gefeiert. 10 Jahre später gab es eine große Party im "Grünen Jäger" in Farge und dein letzter runder Geburtstag wurde denn im „Hotel Union“ in Vegesack – verzeih den Ausdruck – zünftig begossen. Ich wurde an deinen runden Geburtstagen 6, 16 und 26 Jahre alt. Seit 2001 muss es ohne dich gehen. Mir bleiben die tollen Erinnerungen an die Abende bei dir und Oma in Bremen-Farge. 1991 starb deine liebe Frau und meine wunderbare Oma. Du warst allein und hast doch deinen faszinierenden Humor behalten. Glücklicherweise habe ich dich auch nach Omas Tod oft besuchen können - die Abende und Nächte bei Rotwein und Peter-Alexander-Musik bleiben. Den Wein hast du besorgt, die Musik habe ich mitgebracht. Du konntest wunderbare Geschichten zu den damals schon alten Liedern erzählen. Du hast – anders als bei deinen eigenen Kindern – über meine schulischen Probleme herzlich gelacht. Ich bin mir fast sicher, dass ich es vor allem deinetwegen irgendwie bis zum mittelmäßigen Abi durchgehalten habe. Wobei du Intelligenz nie an Schul- oder sonstigen Abschlüssen festgemacht hast. Du hast einen Idioten mit Doktor-Titel schnell entlarvt und ein Wertesystem vertreten, das mir bis heute als Kompass dient. Wutbürger und alberne Verschwörungsspinner würdest du in Gesprächen nach wenigen Minuten demaskieren. Du hättest diesen „Lichtgestalten“ geraten mal ein Buch zu lesen und ihre Dummheiten für sich zu behalten. Opa, du fehlst, aber es ist schön, dass du mich weiter begleitest. Wibke und ich werden nachher mal vorbeigucken – euer Grab ist ja nur ein paar Kilometer entfernt. Ich bin dankbar und glücklich. #HeiterWeiter

 

 Dein Andreas