Andreas Rackow 

Journalist/Moderator


R.SH/ Regiocast 


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brackow13

#Läuft 



146. Geburtstag

Wieder ist ein Lebensjahr abgehakt. Vor 12 Monaten erinnerte ich an dieser Stelle an meinem Opa Wolfgang Schlott, diesmal möchte ich ihm - er wurde heute vor 100 Jahren geboren - spontan einen Brief schreiben. Gerade gucke ich nämlich von unserer Ferienwohnung in Bremerhaven auf die Weser. Ein paar Kilometer flussaufwärts hat Opa Bremen bis zum Jahr 2000 gelebt.

 

 

Lieber Opa, 

 

heute ist/wäre dein 100. Geburtstag. Auch wenn du „schon“ kurz nach deinem 84. gegangen bist - du begleitest mich bis heute. 1976 feierten wir unseren addiert 66. und 1999 unseren 100. gemeinsamen Geburtstag. Heute wäre es der 146. Ja, du als Mathematiklehrer (zum Glück nie meiner) mochtest Zahlenspiele. In acht Jahren bringst du es übrigens nur noch auf die doppelte Zahl an Jahren (108 zu 54). Zum Vergleich: heute vor 40 Jahren war das Verhältnis noch 1 zu 10. Ich erinnere mich noch sehr gut, du hast deinen 60. an meinem 6. Geburtstag in Horsbüll gefeiert. 10 Jahre später gab es eine große Party im "Grünen Jäger" in Farge und dein letzter runder Geburtstag wurde denn im „Hotel Union“ in Vegesack – verzeih den Ausdruck – zünftig begossen. Ich wurde an deinen runden Geburtstagen 6, 16 und 26 Jahre alt. Seit 2001 muss es ohne dich gehen. Mir bleiben die tollen Erinnerungen an die Abende bei dir und Oma in Bremen-Farge. 1991 starb deine liebe Frau und meine wunderbare Oma. Du warst allein und hast doch deinen faszinierenden Humor behalten. Glücklicherweise habe ich dich auch nach Omas Tod oft besuchen können - die Abende und Nächte bei Rotwein und Peter-Alexander-Musik bleiben. Den Wein hast du besorgt, die Musik habe ich mitgebracht. Du konntest wunderbare Geschichten zu den damals schon alten Liedern erzählen. Du hast – anders als bei deinen eigenen Kindern – über meine schulischen Probleme herzlich gelacht. Ich bin mir fast sicher, dass ich es vor allem deinetwegen irgendwie bis zum mittelmäßigen Abi durchgehalten habe. Wobei du Intelligenz nie an Schul- oder sonstigen Abschlüssen festgemacht hast. Du hast einen Idioten mit Doktor-Titel schnell entlarvt und ein Wertesystem vertreten, das mir bis heute als Kompass dient. Wutbürger und alberne Verschwörungsspinner würdest du in Gesprächen nach wenigen Minuten demaskieren. Du hättest diesen „Lichtgestalten“ geraten mal ein Buch zu lesen und ihre Dummheiten für sich zu behalten. Opa, du fehlst, aber es ist schön, dass du mich weiter begleitest. Wibke und ich werden nachher mal vorbeigucken – euer Grab ist ja nur ein paar Kilometer entfernt. Ich bin dankbar und glücklich. #HeiterWeiter

 

 Dein Andreas

 

 

 

Namensvetter

Wer Müller, Meier, Hansen oder Petersen heißt wird ab und zu schon mal einer Verwechslung unterzogen. Mit meinem Nachnamen passiert das nicht so oft. Heute ist es passiert. Ich wurde vor einem Pressegespräch am  Hafenhaus in Travemünde freundlich in Empfang genommen und stellte mich – wie es sich gehört - kurz vor. Die Dame strahlte mich an und sagte „Herr Rackow,  ein Fernsehteam würde gern vor dem Termin ein Interview machen.“ Lächelnd klärte ich auf, dass ich der Rackow vom Radio und nicht der Rackow vom Unternehmensverband Logistik (UVL) sei, der zusammen mit Verkehrsminister Meyer (wird bestimmt oft verwechselt) zu dem Pressetermin eingeladen hatte. Fazit: 1. Immerhin wird mir ein seriöser Beruf wie der des UVL-Geschäftsführers zumindest vom Erscheinungsbild her zugetraut. 2. Es wäre interessant gewesen, wenn ich das Interview einfach gegeben hätte, aber ich bin eben Rackow und nicht Kerkeling.             

 

Gedanken zum Brexit

Die Diskussion um das Brexit-Referendum ist merkwürdig. Was soll das Ausspielen von Alt gegen Jung? Von den unter 45jährigen haben gerade mal 35 Prozent ihre Stimme abgegeben. Es sind also nicht die relativ alten Wähler, sondern eher die jüngeren Nicht-Wähler für das Ergebnis "verantwortlich". Aufklärung und Bildung helfen gegen Populisten (links wie rechts). Es gilt leider das frei übersetzte und hoffentlich richtig zugeordnete Churchill-Zitat: "Das beste Argument gegen die Demokratie ist ein fünfminütiges Gespräch mit einem Durchschnittswähler." Trotzdem hoffe ich, dass die Vernunft siegt. Bei aller Kritik - ich halte die EU nach wie vor für eine gute Idee. 

 

 

 


Gruppenbild mit Populisten, die an Lösungen interessiert sind oder dazu beigetragen haben. 

Haltung

 Wo stehen Sie? Diese Frage wurde mir vor einiger Zeit gestellt. Meine Antwort: „Ich stehe bei den Vernünftigen. Freiheit vor Sicherheit,  Aufklärung statt Alarmismus.“ Der Fragesteller wechselte dann das Thema. Vielleicht ist es auch egal, aber ich möchte mich reflektieren, was bitte nicht mit einer Rechtfertigung verwechselt werden darf. Das große Thema sind derzeit natürlich die Flüchtlinge. Kann ich Verständnis für die diversen besorgen Bürger heucheln? Nein, ich kann es nicht. Selbstverständlich gibt es unter Flüchtlingen auch Verbrecher, aber das hasserfüllte Geschrei ist schlicht und widerlich. Menschen als „Viecher“ zu beschimpfen, zur Gewalt aufzurufen und der Regierung „Hochverrat“ vorzuwerfen zeugt weder von ausgeprägter Empathie noch zivilisatorisch ausgereiften Umgangsformen. Die Flüchtlingskrise – was für ein Wort – lässt sich wohl nur auf europäischer Ebene lösen. Seien wir ehrlich, die Industrienationen haben ihren Wohlstand schon immer verteidigt. Mir ist bis heute unklar, warum der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler wegen seiner Aussage über Handelswege, die notfalls auch militärisch gesichert werden müssen, zurückgetreten ist. Unser Lebensstandard in der industrialisierten und freien Welt ist erstrebenswert. Trotzdem muss Einwanderung kontrolliert ablaufen – die USA, Kanada, Norwegen oder auch Australien können als Vorbilder dienen. Flüchtlinge, die aus der Not zu uns kommen, wie aktuell aus Syrien oder dem Irak, genießen völlig zu Recht einen anderen Status. Aber auch das wird auf Dauer eben nur gemeinsam zu meistern sein. Wir erleben derzeit vermutlich die schwerste Krise des „vereinten Europas“. Jetzt schlägt die Stunde der Vernunft. Nur wenn sich die Besonnenen durchsetzen hat unsere Gesellschaft in dieser Form, die ich persönlich für richtig halte, eine Zukunft. Die EU hat viele Schwächen, aber vielleicht sind die aktuellen Probleme auch ein Chance, längst überfällige Reformen umzusetzen. Der instabile Euro ist dabei aktuell in den  Hintergrund geraten. Es mag nicht alles perfekt sein, aber das  Deutschland oder Europa von heute mit der DDR zu vergleichen ist nicht nur unangemessen, sondern zeugt von ausgeprägter Denkfaulheit. Von einer Diktatur sind wir - trotz der Untergangssehnsucht einiger Fatalisten - weit entfernt. Die AfD ist mir persönlich sehr unsympathisch, sie ist allerdings nicht verboten - also setzen wir uns demokratisch mit ihr auseinander. Nur so wird diese unreife Protestpartei entlarvt. Ich hoffe, dass die besonnenen Bürger die Oberhand behalten. Besorgte Bürger bringen uns nicht weiter. Das gilt auch bei der der Diskussion um das Freihandelsabkommen TTIP. Interessant wie viele Verschwörungstheorien sich um dieses Thema drehen. In sozialen Netzwerken scheinen verschwurbelte Hetzschriften  von „RT-Deutschland“, dem „Kopp-Verlag“ oder den „Netzfrauen“ mehr Bedeutung zu haben als eine sachliche Auseinandersetzung. Ja, noch sind die meisten Inhalte geheim, aber das ist bei komplizierten Verträgen durchaus üblich. Der Bundestag wird am Ende – und dann liegt der Vertrag auch vor – über TTIP abstimmen. So funktioniert Demokratie. Trotzdem darf jeder seine Meinung sagen. Ein ziviler Diskurs ist gut und richtig. Es mag abgedroschen klingen, aber jeder kann politisch mitmischen. Politische Macht wird nicht vererbt. Wer morgen bei einer  Partei seiner Wahl anklopft, wird mit offenen Armen aufgenommen. Das bedeutet dann Arbeit und anstrengende Diskussionen. Aber auch Willy Brandt, Helmut Kohl, Wolfgang Kubicki oder Robert Habeck kamen nicht als Politiker auf die Welt. Es sind nur vier Beispiele, die jeweils für eine andere Generation, ein eigenes Politikverständnis und unterschiedliche Lebensläufe stehen. Verschiedene Menschen, die aber  - das unterstelle ich – unser Grundgesetz als gemeinsame Basis haben bzw. hatten. Die Freunde der „Stimme Russlands“ sollten sich überlegen, ob Herr Putin ähnliche Vorwürfe - wie sie Politikern bei uns gemacht werden - hinnehmen würde. Wir leben in einer globalisierten Welt. Die alte Bundesrepublik gibt es nicht mehr. Sie blühte wirtschaftlich vor allem deshalb, weil die Menschen in der  DDR die „Zeche“ für den 2. Weltkrieg und seine katastrophalen Folgen mehr oder weniger alleine zahlen mussten. Sind Flüchtlinge und angeblich geheime Abkommen tatsächlich unsere größten Probleme?  Oder sollten wir uns eher wegen mangelnder Wettbewerbsfähigkeit, fehlender Aufklärung und eines teilweise desolaten Bildungssystems Sorgen machen?  Das Land des Welt- und Europameisters muss aufpassen, dass es nicht den Anschluss verpasst. Die großen Erfindungen aus unserem Land liegen in der Vergangenheit. Die Autoindustrie hat schon lange an Bedeutung verloren. Ich schweife ab, denn die Vorfälle der letzten Tage in Sachsen sind gruselig und inakzeptabel. Deswegen Herz und Verstand einsetzen und Haltung zeigen! Der Gegenentwurf zum rechtsradikalen Mob sollte nicht der linksautonome Aktivist, sondern die Mitte der Gesellschaft sein. 

Böse Sätze gegen gute Vorsätze

Noch keinen einzigen Vorsatz habe ich gebrochen. Das liegt natürlich vor allem daran, dass ich schon seit Jahren nur den Vorsatz habe, keine Vorsätze im neuen Jahr zu haben. Meine Mitmenschen sind leider nicht so rücksichtsvoll. Wie Schlussverkaufsvieh überrennen einige derzeit die Fitnessstudios. Ich habe wahrscheinlich trügerische schwarz-weiße Tagesschaubilder im Kopf, auf denen Menschen in 50er-Jahre-Klamotten inzwischen untergegangene Kaufhäuser wie Hertie rücksichtslos stürmen. In meinem Fitnessstudio, das ich wie schon an anderer Stelle erwähnt, seit fast 11 Jahren mit meiner zu oft passiven Mitgliedschaft subventioniere, ist in diesen ersten Januartagen die Hölle los. Ohne Sportmotivation, aber mit einer gewissen Saunasehnsucht ausgestattet, machte ich mich mal wieder auf den Weg. An der Rezeption stapelten sich die Anträge und die dazugehörigen Antragssteller für eine preisgünstige oder gar „für laue“ Schnuppermitgliedschaft. Der auf meine Kosten ohnehin gut lebende Fitnessstudiobesitzer macht sich offenbar das durch die Festtagssünden entstandene schlechte Gewissen der Meute zu Nutze. Im Januar sind die nach eigener Einschätzung zu Fetten offenbar eine ebensolche Beute. Die Rabatte dürften m.E. aber nicht die neuen – und meist auch nur temporären – Mitglieder einheimsen, sondern die treuen Kunden sollten profitieren. „Stellt Mitglieder, die länger als 2 Jahre bei euch sind, für den Januar beitragsfrei, denn nur das wäre ein adäquater Ausgleich für die überfüllte Muckibude“, raune ich in Richtung Verband Deutscher Sportstudios. Heißt der so? Wenn es den VDS tatsächlich geben sollte – das ist meine zentrale Forderung! Leider tummeln sich die Neuen nicht nur auf der Sportfläche. Das allein wäre auch kein Problem, denn erfahrene Mitglieder meiden diese im Januar ohnehin. Nein, die vorsatzgeplagten Sparfüchse bevölkern nach dem tüchtigen Treiben auch noch den von mir geschätzten soften Bereich. Sie gehen gern ungeduscht in den Whirlpool, legen ihre Handtücher in Malle-Manier auf die Liegen und sie lümmeln sich ohne Handtuch, aber mit angezogener Badehose, laut quatschend in der Sauna. Glücklicherweise sind 90 Prozent dieser kulturlosen Bande spätestens im Februar wieder verschwunden, aber schön ist das nicht. In der Hölle schmoren sollen sie deshalb natürlich nicht, aber gutes Benehmen darf keine Glückssache sein. Schmoren soll allenfalls mal wieder ein Hackbraten, denn in Ermangelung eigener „guter“ Vorsätze darf der weiter gegessen werden. Zur Hölle fahren soll meinetwegen die olle Holle, aber das ist ein anderes Thema. Es droht nämlich Schnee, denn laut Räumplan (von mir erstellt) darf ich ab Montag schippen. Auch eine Art fit zu bleiben…

leicht überarbeiter brackow-Text aus dem Jahr 2011 (manches bleibt) :-) 

Ratlos

 Ist es richtig das Foto eines toten Kindes im Netz zu posten oder in einer Zeitung zu veröffentlichen? Soziale Medien wie Facebook oder Twitter polarisieren. Harmlose Partybilder, durch Filter „verfeinerte“ Urlaubsknipserei oder der gute alte Foodporn sind eine Frage des persönlichen Geschmacks. Das Foto des dreijährigen syrischen Flüchtlingskindes, das ertrunken an einem türkischen Strand liegt, weckt Emotionen. Auch bei mir. Aber ändert das etwas? Auch als freiwillig Kinderloser kann ich mir die Trauer und Verzweiflung des Vaters (die Mutter ist offenbar auch ertrunken) einigermaßen vorstellen. Wie fühlt er sich, wenn er das Foto seines Kindes im Internet entdeckt? Heiligt der Zweck (Aufmerksamkeit) die Mittel? Ich verstehe diejenigen, die das Foto teilen und emotional kommentieren. Aber – das gebe ich gern zu – meine Zweifel überwiegen. Die „Bild“ hat das Foto auf der letzten Seite gedruckt. Das Blatt macht seit Wochen Stimmung für die Flüchtlinge. Aber war es nicht genau diese Zeitung, die jahrelang Vorurteile geschürt hat? „Der Freitag“ postete: "Man kann die „Bild“-Zeitung natürlich dafür loben, dass sie jetzt mithilft, die rechten Geister zu bekämpfen. Man sollte aber immer im Hinterkopf behalten, dass sie jahrelang dabei mitgeholfen hat, sie zu rufen." In der aktuellen Debatte ist es ein fataler irrweg, wenn die dringende Frage der Zuwanderung (und die fehlende Regelung dazu) mit den Nöten der  Flüchtlinge vermischt wird. Das Elend ist nicht neu, es bekommt durch den kleinen Jungen jetzt ein „Gesicht“. Es ist richtig mitzufühlen und sich zu empören. Besser ist aber mitzuhelfen, zu spenden und sich zu positionieren. Ich werde mir ein Projekt in Lübeck suchen, um zu helfen. Als ich ein Kind war – in den etwas bräsigen 70er und 80er Jahren – wurde viel über den Hunger in Afrika berichtet. Die Bilder aus Äthiopien habe ich noch vor Augen. Was hat sich geändert? Ja, demnächst werden wir 8 Milliarden Menschen auf der Erde sein. Seit meiner Geburt 1970 hat sich die Weltbevölkerung nahezu verdoppelt. Sie wächst aktuell jeden Tag um rund 220.000 Menschen an – im Jahr bedeutet das ein Bevölkerungswachstum von etwa 80 Millionen. Also mengenmäßig ein weiteres Deutschland, das m. E. zwar lebenswert ist, aber eben nicht der Mittelpunkt der Welt.  Bevölkerungswachstum ist eine Herausforderung, die lange ignoriert wurde. Ja, ich bin – um zurück zur Eingangsfrage zu kommen - ratlos. 

 

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Platter plappernder Populismus

Heute Morgen hat mich der Leierkastenmann geweckt. Anschließend musste ich über eine olle Leier zuerst schmunzeln, aber dann wurde mir doch leicht übel. Der Vorsitzende der Jungen Union, Paul Ziemiak, fordert offenbar ernsthaft eine Sonderabgabe für Kinderlose. Meine erste Überlegung: Ist es sinnvoll für diesen Quatsch Zeit und Gedanken bereitzustellen? Unsere Demokratie kann und muss blödsinnige Vorschläge verkraften, aber ein paar Fragen habe ich dann doch: Würde die Abgabe nur für freiwillig Kinderlose gelten? Anders wäre es sehr unfair und wahrscheinlich auch rechtlich bedenklich. Wie soll das überprüft werden?  

Gibt‘s im Gegenzug eine Erstattung wegen der Nicht-Nutzung von Kitas und Schulen? Wie wäre es zusätzlich mit einem Orden für Mehrfachmütter? Und die wichtigste Frage: Sind bei der Entstehung des Vorschlags illegale Substanzen im Spiel gewesen?

 

Ernsthaft: Kindergeld, bezahlte Elternzeit und ähnliche Transferleistungen sind sinnvoll, aber die Entscheidung für oder gegen Kinder sollte nicht nur über den Geldbeutel geregelt werden. Besser wäre es, Familien und vor allem Alleinerziehende durch noch bessere Betreuungsangebote, gut ausgestattete Schulen und vernünftige (mit Kindern tatsächlich zu vereinbarende) Arbeitsplatzmodelle zu unterstützen.

 

Grundsätzlich ist politisches Engagement in einer demokratischen Organisation schön, gut und unbedingt gutzuheißen. Hilfreich wäre allerdings eine Sonderabgabe für dumme und populistische Vorschläge. Auch für Parteien gilt offenbar, seinen Nachwuchs kann man sich nicht aussuchen.

 

http://m.faz.net/aktuell/politik/inland/cdu-nachwuchs-junge-union-schlaegt-sonderabgabe-fuer-kinderlose-vor-13657891.html

Goethe und die 1 Milliarde

(Ein leicht überarbeiteter Brackow-Text aus dem Juni 2013/ gerade sehr aktuell)

Seit einigen Tagen teilen Benutzer in diversen „Netzwerken“ wieder die rührende Geschichte „…wäre die Welt ein 100 Einwohner Dorf“ (Link dazu unten). Die veralteten und statistisch – zumindest teilweise – wackeligen Daten waren Anfang des Jahrtausends (ich meine 2002) auch schon als Kettenbrief unterwegs. Ursprünglich stammen sie aus einem inzwischen weitgehend vergessenen Buch. Die Geschichte „menschelt“ so herrlich. Klar, die bösen Amis haben fast alles. Die reichen Russen und Araber fallen statistisch hinten und vorne heraus. Ist es so schön einfach? Oder ist die Welt doch etwas komplizierter? Ein Blick auf die Entwicklung der Weltbevölkerung offenbart, dass ein Mikromodell zur Problembeschreibung nur bedingt tauglich ist. In diesem Fall aus meiner Sicht auch ideologisch nicht unerheblich überladen. Seit meiner Geburt 1970 hat sich die Weltbevölkerung auf rund 7 Milliarden verdoppelt. 1830 wurde angeblich die 1-Milliarde-Marke gebrochen. Damals lebte Goethe noch.

 

Ich bin – jetzt nur mal ins Grundsätzliche formuliert – gern ein guter und hilfsbereiter Mensch (im Rahmen meiner Möglichkeiten). Ich mag den Begriff „Gutmensch“ nicht, aber für manchen Zeitgenossen fällt mit kein anderer ein. Einige sehen sogar ihre Gebär- oder Zeugungsbereitschaft als Akt der gesellschaftlichen Solidarität. Als freiwillig Kinderloser darf man häufig über dieses Thema diskutieren. Wer Kinderlosen Egoismus vorwirft ist m. E. recht frei von Realitätssinn. Die Entscheidung für eigenen Nachwuchs ist ja nun nichts selbstloses, sondern doch eher etwas gesellschaftlich genormtes und (zu Recht) anerkanntes. Aber „Kinder in die Welt setzen“ ist eben auch etwas, was am Ende aus durchaus egoistischen Motiven heraus gemacht wird.

Beides – ob für oder gegen eigene Kinder – ist eine rein egoistische Entscheidung. Es sei denn das Kindlein kommt, weil der Partner oder die Familie es will oder wünscht. Diese Partnerschaften überstehen eher selten die gesamte Kindheit des nur teilweise gewollten Nachwuchses. „Es ist immer da“, jammern die einen. „Es ist das schönste, was uns passieren konnte“, freuen sich die anderen. Der Alltag befödrert viele (auch Kinderlose) schnell in die karge Realität. Global betrachtet herrscht kein Kindermangel. Nun werden manche mit düsterem Blick und erhobenem Zeigefinger an die langfristig wieder leeren Rentenkassen in Deutschland erinnern. Und da schließt sich für mich dann der Kreis und auch dieser Aufsatz: Die Welt ist kompliziert…

Hier der Link zum Dorf
http://hoax-info.tubit.tu-berlin.de/hoax/showtxt.shtml?weltdorf

(falls er nicht direkt funktioniert, einfach in den Browser kopieren)

 

Raab-Gesang

Da ich nur wenige reflektierte Meinungsäußerungen zum Thema RaAb-Schied lesen durfte, liefere ich selbst. Meine 5 Thesen. 

 

1. Raab hat erkannt, dass das lineare Fernsehen (zumindest in dieser Form) keine Zukunft hat. Sehen wie ihn demnächst bei Netflix ? Die Nachrufe kommen m. E. zu früh…

 

2. TV-Total habe sich seit Jahren nicht gesehen. „Schlag den Raab“ ist mir zu lang, außerdem habe ich sonnabends meistens bessere Pläne. Trotzdem hat Raab innovative TV-Formate entwickelt (diverse Singwettbewerbe, SdR, Turmspringen usw.) Alles hat seine Zeit.

 

3. Natürlich muss ihn niemand mögen. Aber jetzt draufhauen (#Niveau, #DoofTV #Geldgier) ist schräg. Es gab meines Wissens nie eine Guck-Pflicht. Alles freiwillig. Gilt übrigens auch für „Big Brother“, „Dschungelcamp“, oder irgendwelche Restaurant-Tester. Schaue ich mir alles nicht an, aber wer es mag…  

 

4. Früher fand ich persönlich Harald Schmidt besser als Stefan Raab - heute Jan Böhmermann.

 

5. Alles eine Frage des Geschmacks. Meiner ist aber schon sehr, sehr gut ;-) 

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Dino - Geist oder Gespenst? 

Vorweg: Ich drücke dem HSV in der Relegation die Daumen, denn der Verein gehört in die Bundesliga. Als ich im August 2012 – so wie es meine Art ist – leise und sparsam dosiert Kritik an der „Van-der-Vaart-Rückholaktion“ äußerte musste ich reichlich Schelte einstecken. Aber am Ende lag ich nicht so falsch. Warum drücke ich als Bayernfan trotzdem dem HSV die Daumen? Es sind vor allem persönliche Gründe, denn meine Kindheit und Jugend war von dem Duell „HSV gegen Bayern“ geprägt. Auch und besonders zwischen mir und meinem Bruder, den ich - trotz seines fußballerischen Irrwegs - liebe und schätze. Mein schlimmstes Kindheitserlebnis (daran lässt sich die sehr weitgehende Unbeschwertheit unserer Jugend ablesen) hatte ich am 24. April 1982. Der FC Bayern verlor im Olympiastadion mit 3-4 gegen den HSV. Hotte Hruebesch traf kurz vor Schluss. Es war schlimm. Mein 8jähriger Bruder feierte, ich war unendlich traurig. Eine kleine Entschädigung brachte wenig später der DFB-Pokalsieg gegen den 1. FC Nürnberg. Fast beängstigend, dass ich mich daran noch so genau erinnere. Ein Jahr später holte der HSV auch noch die „Champions League“, die damals – wenig Glamour versprühend -  „Europokal der Landesmeister“ hieß. Der FC Bayern dümpelte herum. Um den damals klammen FC Bayern zu retten, wurde Kalle Rummenige nach Italien verkauft. Der Stern des Südens war dunkel, der HSV die Nummer eins. Happel und Netzer trampelten auf meiner Seele herum. Gut, vielleicht ist das jetzt ein wenig zu dramatisch formuliert. Gehasst habe ich den HSV nie. Im Fußball halte ich Hass oder Gewalt ohnehin für sehr deplatziert. Im Grunde sind Hass und Gewalt fast immer deplatziert, aber ich schweife ab. In den 80ern waren fußballbegeisterte Nordfriesen HSV- oder FC Bayern-Fans. Ganz vereinzelt gab es „Gladbacher“, „Stuttgarter“ oder „Kölner“, aber „Dortmunder“ kenne ich erst seit Mitte der 90er. Der HSV im nächsten Jahr in der 2. Liga? Zusammen mit Heidenheim und Sandhausen? Das übersteigt meine Vorstellungkraft. Vor 14 Jahren hat der Fußballgott den Schalkern im Volksparkstadion einen fiesen Streich gespielt. Der FC Bayern schoss damals durch einen Freistoß im Strafraum ein Tor in der letzten Sekunde. Seit dem firmieren die Gelsenkirchener als „Meister der Herzen“. Rache haben die Knappen am vergangen Samstag nicht genommen. Stattdessen sorgten sie mit einem blutleeren Auftritt und der Unterstützung eines launischen Fußballgotts für die vorläufige HSV-Rettung. Sollte der  HSV der Bundesliga-Verbannung erneut entgehen, dann wird vermutlich diesmal der „Geist von Malente“ bemüht, der das „Abstiegsgespenst“ am Ende verjagt hat. Meinetwegen. Verdient wäre die Rettung nicht! Aber dafür interessiert sich der Fußballgott nicht. Fragt mal die Niederländer. Und damit wären wir wieder bei van der Vaart, der nach der Sperre gegen den „Meister der Herzen“ nun „Relegations-Rehabilitation“ betreiben kann. Ich lege mich fest: Geist schlägt Gespenst. Eine hübsche Idee auch für das echte Leben.

Goldtwaage

Heute Abend geht’s in Theater. Eine Lesung mit Max Goldt. Es ist für mich das dritte Mal, dass ich ihn hier in Lübeck erleben darf.  Goldt kann es einfach. Ich teile nicht alle seine Ansichten, aber der Mann schreibt sehr, sehr gut  und liest großartig vor. Die „Bild“ hat sich in der aktuellen Berichterstattung – von einigen Verschwörungstheoretikern mal abgesehen – als moralisch kaum noch weiter absenkbar präsentiert. „Diese Zeitung ist ein Organ der Niedertracht. Es ist falsch, sie zu lesen. Jemand, der zu dieser Zeitung beiträgt, ist gesellschaftlich absolut inakzeptabel. Es wäre verfehlt, zu einem ihrer Redakteure freundlich oder auch nur höflich zu sein. Man muss so unfreundlich zu ihnen sein, wie es das Gesetz gerade noch zulässt. Es sind schlechte Menschen, die Falsches tun.“ (Max Goldt/ 2001)

Bisher war mir diese Einschätzung zu streng. Nach den letzten Tagen bin ich mir nicht mehr ganz so sicher…

„Globulisierungsgegner“

Warum tust du dir das an? Diese Frage wird mir häufig gestellt. Gemeint ist mein privates Engagement gegen Aberglauben, Pseudowissenschaften und andere esoterische Torheiten. Dazu gehört auch die Homöopathie. Ein Arzt sagte mir vor einiger Zeit, dass es ihm egal sei, „wenn einige  Dummköpfe für diesen Quatsch Geld ausgeben.“ Diese Einstellung teile ich nicht, denn Impfgegner, Homöopathie-Anhänger und andere esoterisch-geleitete „Weltverbesserer“ verbreiten ihre – für mich nicht nachvollziehbaren – Ideologien  unreflektiert (auch) im Internet. Oft eingebettet in wilde und düstere Verschwörungstheorien. Die Bösen sind die Pharma-Mafia, profitgieriege Schulmediziner, die Politiker, die Medien oder auch pauschal die Amerikaner. Auf die „Reichsbürger“ möchte ich an dieser Stelle gar nicht eingehen, denn deren „Erkenntnisse“ sind schlicht, einfach, dumm und albern. Stimmen der Vernunft im Chor der nach eigenen Angaben Wissenden gehen im Alltag oft unter. Glücklicherweise gibt es Wissenschaftler, Ärzte, Journalisten und andere um Besonnenheit bemühte, die gegen die Auswüchse der gefühls-motivierten Pseudo-Wissenschaft ihre Stimme erheben. Als freiwillig Kinderloser kann ich mich zum Thema „Impfen“ relativ emotionslos und unbefangen informieren. Für verunsicherte Eltern habe ich Verständnis, aber auch die können sich informieren. Aufklärung kann Leben retten. Natürlich sind  Nebenwirkungen möglich (so ist es in der echten Medizin) aber diese stehen in keinem Verhältnis zu möglichen Folgeschäden einer Masernerkrankung. Impfungen sind ein Segen!  Die furchtbaren Pocken, ich selber habe noch eine kleine Impfnarbe, konnten praktisch ausgerottet werden. Ähnliches galt für Kinderlähmung/Polio, die wieder im Kommen ist.

 

Die Masern sollten bis 2015 verschwunden sein, aber wegen irrlichtender Esoteriker wird dieses Ziel verfehlt. Leider trifft die gesellschaftlich akzeptierte Pseudo-Medizin Homöopathie eine Mitschuld. Es ist schwierig mit Anhängern dieser Unheilslehre zu diskutieren. Diese Erkenntnis verstärkt sich nach dem X-ten „Wer heilt, hat Recht“. Natürlich darf jeder glauben, was er möchte. Solange niemand geschädigt wird. Aber genau dort liegt das nicht geimpfte Kind im Brunnen. Die vermeintlich sanfte/alternative Medizin kommt mit Behauptungen - die keiner wissenschaftlichen Überprüfung standhalten - um fast jede Ecke. Impfungen werden von Homöopathie-Anhängern oft (nicht immer)  abgelehnt. Der 1755 geborene Samuel Hahnemann, dem Mann „verdanken“ wird die Homöopathie, stand der Pockenimpfung zunächst angeblich gar nicht besonders kritisch gegenüber, aber inzwischen bieten homöopathische „Heiler“ Impfwirkstoff-Ausleitungen an. Zwar gibt es Homöopathie-Anhänger, die Impfungen als sinnvoll akzeptieren, aber die Mehrheit sucht lieber nach (lebensgefährlichen) Alternativen. Besonders verstörend sind sogenannte homöopathische Impfungen. Hier wird für mich die Grenze zur Kriminalität überschritten. Homöopathie wird zudem – das habe ich schon mehrfach geschrieben und gesagt – fälschlicherweise oft mit Pflanzenheilkunde in einen Topf geworfen. Pflanzen- bzw. Natureilkunde auf der einen Seite  und Homöopathie auf der anderen sind zwei völlig verschiedene Gebiete. Seriöse Ärzte und Heilpraktiker werden das gern bestätigen. Vernünftige Diskussionen sind kaum möglich, denn wer sich näher mit Hahnemanns kruder Lehre beschäftigt, dem gehen schnell die ernstzunehmenden Argumente pro Homöopathie aus. Es werden über 200 Jahre Forschung in der evidenzbasierten Medizin (Homöopathen benutzen meist den Begriff „Schulmedizin“) ignoriert. Angeblich hilft der faule Zauber sogar bei Hunden, Katzen, Meerschweinchen, Pferden und Babys. Klar,  die  können sich nicht wehren und der Placebo-Effekt wird auch von Wissenschaftlern nicht in Frage gestellt. Homöopathie-Anhänger behaupten aber es gebe eine darüber hinausgehende Wirkung. Gern wird dann die Quantenphysik bemüht. Leider ergibt es wenig Sinn den Versuch zu starten, einem überzeugten Homöopathie-Anhänger den Unsinn auszureden. Physik und evidenzbasierte Forschung werden zwar von H-Anhängern meist konsequent ignoriert oder ausgeblendet, aber – wenn es gerade in den eigenen Tüdelkram passt – als angeblicher Beweis für die Wirksamkeit der Homöopathie bemüht. Pseudo- und Parawissenschaftler berufen sich häufig auf den Quantenphysiker Anton Zeilinger. Die Süddeutsche Zeitung hat den  Österreicher deshalb nach seiner Meinung in Sachen Homöopathie gefragt. Zitat:  „Dass ein Bezug zwischen meiner Arbeit und der Homöopathie hergestellt wird, ist wissenschaftlich unbegründet. Ich bedaure es sehr, dass mein Name damit in Verbindung gebracht wird (…) Dafür, dass ein Wirkstoff Informationen in einer Lösung hinterlässt, in der er selbst nicht mehr enthalten ist, gibt es keinerlei wissenschaftliche Beweise.” Auch für die selbsternannte  „Quantenmedizin“ hat Zeilinger eher wenig übrig:  „Das ist ein schwammiger, spekulativer Begriff, nicht die Bezeichnung eines wissenschaftlichen Gebietes.”

 

Homöopathische Mittelchen werden mit angeblich potenzierten (verdünnten) Wirkstoffen angeboten. Zum Beispiel Rattenblut (Rattus norvegicus) oder Hundekot (Excrementum canium). Keine Angst, die Ekel-Moleküle sind in dem Mittel nicht mehr nachweisbar. Wenn dann höchstens in der D 4 Potenzierung (1 Tropfen Wirkstoff auf einen halben Liter Wasser). Da werden dann aber eher unbedenkliche Kräuter verdünnt. Anders sieht es bei D 24 (ein Tropfen auf das Volumen des Atlantiks) und D60 (entspricht 1 Tropfen verteilt auf mehrere Galaxien) aus.  Der leider gerade verstorbene Mr. Spock würde die Augenbrauen hochziehen. Fragen Sie mal ihren Arzt oder Apotheker nach D- oder C-Verdünnungen. Auf dieser Basis werden  leider Impfberatungen angeboten. Für mich ist das schlichter Trickbetrug. Mein Fazit in Sachen Homöopathie ist hart. Deswegen wurde ich schon oft der Intoleranz bezichtigt. Dabei respektiere ich Menschen, die an übersinnliche Kräfte glauben. Ich bin ein Skeptiker, der trotzdem hofft, dass es so etwas wie gute und positive Energie gibt. Ich denke auch, dass der Wille und eine optimistische Lebenseinstellung grundsätzlich hilfreich sind. Hat Homöopathie vielleicht doch einen Nutzen? Der Wissenschaftsjournalist und Molekularbiomediziner Kai Kupferschmidt schrieb im Tagesspiegel (den ganzen Artikel habe ich unten verlinkt): „…Natürlich hat die Homöopathie ihre guten Seiten. Sie setzt dem Bild von der Maschine Mensch, die nur „funktionieren“ soll, etwas entgegen, das den meisten Menschen sympathischer ist: den Menschen als Wesen, mit Ängsten, Wünschen, Träumen. Homöopathen sprechen von Ganzheitlichkeit, aber im Kern geht es darum, sich als Mensch beim Arzt ernst genommen, verstanden und, ja, geborgen zu fühlen…“ Wie geschrieben – einen Link zum ganzen Artikel gibt’s unten.

Widerlich wird es dann, wenn z. B. verzweifelte Krebspatienten mit unerfüllbaren Hoffnungen hinter die alternative Fichte geführt werden. Begleitend ist die Homöopathie bei einer schweren Krankheit genauso unproblematisch wie ein Gebet. Warum nicht? Außer Zucker enthalten Globuli normalerweise keine nachweisbaren Wirkstoffe. Kann also keinen großen Schaden anrichten. Einschränkungen gelten hier allenfalls für Diabetiker. Wer seinen Kindern unbedingt Globuli gegen eingebildete Wehwehchen verabreichen möchte, sollte es vor dem Zähneputzen erledigen. Die einzige zweifelsfrei nachgewiesene Wirkung der Kügelchen  ist nämlich Karies. Das gilt übrigens auch für die zuckerfreie Version, denn hier wird Zucker gegen Stärke oder Milchzucker (Lactose) ausgetauscht – und auch hier wird Karies gefördert. Also: nach der Eso-Fütterung unbedingt Zähne putzen. Es werden auch Tropfen angeboten, die enthalten statt Zucker allerdings Alkohol. In der Kinderheilkunde haben sich angeblich die Globuli bewährt. Klar, denn die Lütten lieben Zucker. Amüsant ist es immer dann, wenn Rasmus-Amadeus (Name willkürlich gewählt) nicht naschen darf, aber jeden Abend mit Globuli gefüttert wird.  

Zurück zur Eingangsfrage: Warum tue ich mir das an? Weil ich denke, dass viele Homöopathie-Befürworter einem Herdenreflex folgen. Nicht zu verwechseln mit dem  „Herdenschutz“ bei sinnvollen Impfungen. Motto: „Das ist doch sanft, das schadet nicht.“  Wenn für homöopathische Mittelchen ähnliche Zulassungskriterien gelten würden wie für echte Medikamente, dann wäre das Leben der Skeptiker einfacher. Dann müsste nämlich eine Wirkung nachgewiesen werden, aber so ist es leider nicht. Es ist keine Zulassung erforderlich. Immerhin: Wo keine Wirkung ist, gibt’s auch keine Nebenwirkung. Traurig und gefährlich wird es dann, wenn eine wirksame Therapie für „Geschwurbel“ geopfert wird.

Meine Hoffnung ist, dass sich noch  mehr Menschen mit der Homöopathie auseinandersetzen. Dann - da bin ich mir sicher – verschwindet der öde Hokuspokus aus den Arztpraxen. Mehr muss gar nicht sein. 

Glaube ist Privatsache. Wird er aber als Wissenschaft verkauft oder getarnt, dann ist es nur schwer erträglich. Im Fall der Impfgegner sogar lebensgefährlich.      

 

Informationsnetzwerk Homöopathie mehr hier

 

 

Lesenswerter Text aus dem Tagesspiegel /Juli 2010: Autor ist Kai Kupferschmidt (Molekularbiomediziner und Wissenschaftsjournalist)

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Schwere Entscheidung 

 Jetzt gibt es also auch eine Online-Petition zu dem Notarzt Fall.  

 

Hintergrund: http://www.sueddeutsche.de/bayern/neuburg-an-der-donau-notarzt-kassiert-anzeige-weil-er-schnell-zum-einsatz-faehrt-1.2337607

Persönlich mag ich mir dazu kein Urteil erlauben, da ich nicht alle Fakten kenne. Blaulicht und Sirene sind kein Freibrief. Ich mache  - wenn es irgendwie möglich ist -  sofort Platz, aber ich habe auch schon häufiger erlebt, dass „Blaulicht-Fahrer“ sehr riskant und rücksichtslos fahren. Ich habe großen Respekt vor Notärzten, Sanitätern, Feuerwehr-Angehörigen und Polizisten. Trotzdem glaube ich, dass Gerichte für eine Entscheidung in einem solchen Fall besser geeignet sind als das kollektive Gerechtigkeitsgefühl.  

In Paragraph 1(1) der StVo heißt es:   „Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.“ Das gilt auch bei Fahrten mit Sonderrechten. Keinem nützt es, wenn der Notarzt auf dem Weg zu einem anderen Unfall verunglückt. Vor Gericht gilt natürlich auch für den Notarzt: im Zweifel für den Angeklagten. 

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GEZWITSCHER


© Screenshot Twitter.com

 

Eine 17jährige twittert eine krude Schulkritik. Das lässt sich aushalten, denn es herrscht Meinungsfreiheit. Aber warum wird kräftig Beifall geklatscht bzw. geteilt und favorisiert? Der Hype ist albern! Eine gewisse Kritik am Bildungssystem mag berechtigt sein, aber die Schulen sind nicht für alles verantwortlich. Für die allgemeine „Lebenstüchtigkeit“ sind sie es m.E. nicht, zumindest nicht an erster Stelle. Mein Eindruck ist eher, dass wir es insgesamt mit einem sinkenden Niveau zu tun haben. Auf das echte Leben können das Elternhaus, die Familien oder auch Freunde viel besser vorbereiten. Mich persönlich haben „Kurvendiskussionen“ geplagt, aber an der Realität habe ich trotzdem (stets bemüht) teilgenommen. Locker bleiben…

 

Hier ein Link (LN-Online):  

http://www.ln-online.de/Panorama/Aus-aller-Welt/Steuerrecht-statt-Gedichtanalyse-Schuelerin-loest-Diskussion-ueber-Schulbildung-aus

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POPULIST 

Ja, Uli Hoeneß hat Steuern hinterzogen. Ja, dafür hat er völlig zu Recht eine Gefängnisstrafe bekommen. Das alles wurde schon beim Urteil diskutiert. In manchen Bundesländern wird Ersttätern gleich zu Beginn der Haft Freigang gewährt. Das bedeutet sie müssen nur die Nächte in der JVA verbringen. In Bayern und übrigens auch in Schleswig-Holstein gibt es diese Möglichkeit nicht. Uli Hoeneß musste gut sieben Monate im geschlossenen Vollzug absitzen. Jetzt bekommt er – wie von vielen erwartet – Freigang und schon beginnt ein alberner Aufschrei. Dieter Hallervorden, den ich als Schauspieler und Entertainer schätze, hat auf Facebook folgendes gepostet: „28,5 Millionen Steuern hinterziehen und nach lediglich 7 Monaten "Adressenwechsel" nur nicht zuhause schlafen dürfen – so günstig hat Herr Hoeneß noch nie gedealt! Tja: Alle Menschen sind gleich, aber manche sind eben gleicher.....“ Soweit das Zitat von Dieter Hallervorden. Bei allem Respekt: Populismus-Alarm! Der Ex-Bayernpräsident erfüllt nun mal die Voraussetzungen für den Freigänger-Status. Neben einem Arbeitsvertrag verfügt er – auch wenn Nicht-Bayern-Fans das möglicherweise anders sehen - über eine positive Sozialprognose. Zudem bestehen weder Flucht- noch Verdunkelungsgefahr. Ein Jurist hat mit erklärt, dass jeder Fall im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben individuell beurteilt werden muss. Es geht um Recht, das bitte nicht mit Gerechtigkeit verwechselt werden sollte. Ein Nicht-Promi hätte vermutlich ein ähnliches Urteil bekommen, aber ohne mediale "Hinrichtung". Hoeneß hatte – rechnet man alle Begleitumstände zusammen - eher einen Malus als einen Bonus. Noch einmal: Die Gefängnisstrafe ohne Bewährung ist verdient, aber er ist eben kein Gewalttäter, sondern eher ein Spielsüchtiger, der sich gewaltig verzockt hat. Dieter Hallervorden ist ein großartiger Schauspieler, aber seine politischen und gesellschaftlichen Positionen sind m. E. oft populistisch. Anderseits ist Meinungsfreiheit ein hohes Gut. Inhaltlich bleibt diesmal aber nur: Palim-Palim…

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Wettern gegen...

 „Wetten, dass…“ ist Fernsehgeschichte. Persönlich bin ich schon vor über 20 Jahren ausgestiegen. Eingeschaltet habe ich zwischendurch dann nur noch sporadisch bei  Auftritten von Michael Jackson oder  Britney Spears. Ja, lacht mich doch aus. Klar, früher war der Samstagabend ein Fernsehfest, aber das  galt auch für „EWG“, „Am laufenden Band“, „Auf Los geht’s los“ oder „Verstehen sie Spaß“. Die Kinder schon im Schlafanzug, Käseigel und eine gute Spätlese auf dem Couchtisch – so haben viele Millionen  in der guten alten und kuscheligen  Bundesrepublik den Samstagabend verbracht. Wir applaudieren  gern unserer Erinnerung. Aber es ist lange her. Alles hat seine Zeit. Im Internet wird unterdessen fleißig gelästert und nachgetreten. Dabei gibt es doch überhaupt keine Pflicht mitzureden oder sich eine angeblich verhasste Sendung anzuschauen. Das gilt übrigens auch für „Big Brother“, „DSDS“ oder das demnächst wieder startende  „Dschungeldings“. Soweit es beruflich möglich ist, bemühe ich mich zu ignorieren. Die Lebenszeit ist nun mal begrenzt. Deshalb habe ich – trotz Helene Fischer – auch auf die letzte Ausgabe „Wetten, dass…“ verzichtet. Einen gelungenen  Beitrag zum Ende dieser Ära lieferte Thomas Koschwitz auf Facebook. Zitat: „Mir tut Markus Lanz leid. Nicht, weil er offensichtlich nicht stark genug war, dem ZDF "nein" zusagen, als die ihm den Job der Gottschalknachfolge anboten, sondern weil er den Kopf für etwas hinhalten muss, was eigentlich seine CHEFS hätten lösen müssen, nämlich die Frage: Wie kann man diese geniale Idee (von Fran Elstner) "Wetten, dass...?" fortsetzen, ohne das ganze Projekt mit der peinlichen Frage, wer wird denn jetzt Nachfolger von Tommy zu ruinieren. Wir erinnern uns, diese Peinlichkeit, eine Absage nach der anderen und dann als Notnotnotnagel Markus Lanz. Die Amis sind da mitunter kreativer. Saturday Night Live hat(te) jedes Mal einen anderen Gastgeber. Auf "Wetten, dass…?" übertragen hieße das: eine Ausgabe mit Barbara Schöneberger, eine mit Otto, eine mit Joko und Klaas, eine mit Stefan Raab... usw. Alle die sich heute über die "Katastrophe Lanz" echauffieren (und früher über Gottschalk) könnten jedes Mal lästern ohne Ende, ABER alle würden zugucken. Und genau das wollen doch die Chefs vom ZDF: Hohe Quoten...“  Zitat Ende. Absolut auf den Punkt.

 https://www.facebook.com/Thomas.Koschwitz?hc_location=timeline

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Widerspruch folgenlos

Facebook ist eine feine Geschichte. Wir halten Kontakt und halten uns auf dem Laufenden.  Ja, die Urlaubsbilder bereiten mir persönlich meist Freude.  Auch die neuen Autos, Häuser, Kinder, Diäten und Katzen meiner Facebookfreunde verführen mich immer wieder zu einem „gefällt mir“. Klar, auch alberne Verschwörungstheorien und öder Populismus werden verbreitet. Dort bemühe ich mich (oft erfolgreich) um gnädige Ausblendung. Wenn sich  jetzt wieder viele über die Facebook AGB-Änderung mit bedingt kreativen Bildchen aufregen, dann helfe ich gern mit einem Tipp: Facebook ist freiwillig. Anprangern mag ich trotzdem niemanden. Auch nicht die beiden Politiker, die auf den nicht ganz frischen Fake hereingefallen sind. Hätten die Herren sich vielleicht bei ihrem Parteifreund Wolfgang  Kubicki kundig machen sollen? Schönes Wochenende. :-)       

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/facebook-agb-patrick-doering-und-dirk-niebel-widersprechen-mit-bild-a-1005507.html


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Erforderlich?

Muss er auch noch eine Website haben? Ich habe lange nachgedacht. Probieren geht über studieren. Als Medien-Mit-Macher erscheint eine eigene Web-Präsenz nicht völlig abwegig. Facebook, Twitter, Xing und andere „soziale Medien“ sind wichtig, aber oft auch undurchsichtig und es gibt eine entscheidende Hürde – nämlich die Mitgliedschaft. Der Besuch dieser Seite ist freiwillig, über persönliches Feedback und konstruktive Kritik freue ich mich. Und wer mich für eine Veranstaltung/Moderation buchen möchte ist natürlich herzlich willkommen.

 

Seit gut vier Jahren betreibe ich einen Wordpress-Blog, der hier fortgesetzt wird. Aus Brackow wird jetzt wieder Rackow. Einige überarbeitet Aufsätze werden nach und nach  übernommen, neue entstehen. Die Frequenz wird erhöht. Die Meinungs- und Pressefreiheit erscheint vielen inzwischen selbstverständlich. Meine Überzeugung ist, dass sie eben kein Naturgesetz ist. Das gilt nicht nur vor dem Hintergrund des 25. Mauerfall-Jubiläums. Ein ziviler und sachlicher Diskurs ist meinerseits erwünscht. Andere Meinungen sind willkommen, aber Trolle werden auf dieser von mir privat betriebenen Seite nicht gefüttert…   

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